Montag, 12. Mai 2014

Die schöne Seite Balis

Nach unserem nicht so schönem Einstand auf Bali, sind wir immer noch nicht so gut auf die Polizei und die Touristenmassen zu sprechen. Aber natürlich ist das nicht alles, was wir auf Bali erlebt haben.

Nachdem wir Kuta verlassen haben, konnten wir erstmal Ubuds entspannte Atmosphäre genießen. Der Tempel Pura Ulun Danun auf dem Bratan See hat unsere Augen genauso erfreut, wie die unendlich vielen lokalen Früchte unseren Gaumen.

Auf einer „kleinen“ Wanderung durch die bergige Landschaft um Munduk sind wir über drei Stunden durch Reisfelder, Kaffee- und Vanillesträucher, Bananen- und Avocadobäume gelaufen. Ein Wasserfall, der mit so einer Gewalt unten aufkam, ließ uns fast wegfliegen je näher wir kamen. Leider mussten wir nach ewigem bergauf laufen in der prallen Sonne feststellen, dass wir uns total verlaufen hatten und so weit von Munduk entfernt waren, dass es uns Stunden gekostet hätte wieder zurück zu kommen. Da haben wir doch direkt wieder versucht Autos anzuhalten, was bisher immer schief lief, aber die Balinesen hatten ja Einiges wieder gut zu machen, so dass wir auch gleich von zwei Autos mitgenommen wurden. 

Später in den Reisfeldern um Munduk liefen wir in ein wunderschön grün leuchtendes Feld hinein, in dem ein alter Mann vor seiner Holzhütte saß und uns schon ganz enthusiastisch zuwinkte. Als Deutscher schießt einem ja spontan der Gedanke durch den Kopf, dass man sein Grundstück nicht betreten soll. Stattdessen stellte er uns zwei Holzhocker hin und ohne wirklich genau zu wissen, was er uns mit seinen halb indonesischen, halb englischen Sätzen von uns wollte, nahmen wir Platz. Daraufhin fing seine Frau in der Hütte an herumzuwerkeln und brachte uns zwei Schalen gefüllt mit groben Zucker und irgendetwas rosarotem, was sich als Reisblüte herausstellte. Schmeckte im Allgemeinen nach nichts. Richtig lecker war aber der Kaffee, der direkt von dem Kaffeebusch neben uns stammt. Frischer geht’s wohl kaum! Mit Händen und Füßen haben wir uns mit diesem zuckersüßem Balinesen versucht zu unterhalten, der uns stolz sein Reisfeld und seinen Papayabaum präsentierte.

Ein Erlebnis, das mal wieder beweist, dass es auf die Menschen ankommt und wie eine nette Geste deinen Tag versüßen kann!

Am beeindruckendsten fanden wir die Landschaft im Osten Balis, wo sich die Reisterrassen vor dem Vulkan Agung erstrecken oder zwischen den Bergen einen wunderschönen Ausblick ermöglichen. Die Strände sind allerdings entweder schwarz, schmutzig, oder gar nicht erst vorhanden.



Auf dem Weg zum Wasserpalast Tirta Gangga hatten wir wieder eine Begegnung mit der Polizei. Uuuhhh...
Nichts ahnend fahren wir auf unserem Roller durch die schöne Landschaft, als Anne auf einmal aufmerkte: „Shit, Polizist hinter uns!“, und im nächsten Moment fuhr er auch schon neben uns mit seinem Roller. Nicht dass das in Deutschland verboten wäre oder so!

„Hello, how are you?“ - bis gerade noch ganz gut
„Where are you from?“
„Germany“
„Oh, beautiful girl, beautiful girl.“

Wir hätten uns schrottlachen können, wenn die Straße nicht so kurvig und der Polizist einfach mal super dicht neben uns gefahren wäre.

„Where you go?“
„Tirta Gangga“
„Oh, it's right here. Nice view here, nice viewpoint here.“

So wurden wir diesmal zur Abwechslung nicht angehalten, sondern zu unserem Ziel eskortiert.

Ansonsten begleiten einem auf Bali egal wo man hingeht die vielen Hindu-Tempel, die in jeglicher Form fast in jedem Haus zu finden sind. Häufig ist es auch nur eine Art Steinthron.
Ohne sich von den Touristen oder Menschenmassen stören zu lassen, legen die Balinesen überall, und ich mein wirklich überall, ihre kleinen Opfergaben aus. Sei es vor Hauseingängen, in Auffahrten oder Autos. Sie beinhalten meistens Blüten, ein wenig Reis oder andere Nahrungsmittel und ein Räucherstäbchen, was der Luft eine gewisse Duftnote verabreicht. Die Insel ist wirklich stark geprägt vom Hinduismus und die Locals lassen sich durch niemanden an der Ausübung ihrer Religion stören.


Als Fazit können wir sagen, dass Bali eine wirklich beeindruckende Landschaft hat und es schöne Flecken gibt auf dieser großen Insel. Allerdings können wir den Hype immer noch nicht nachvollziehen und finden viel eher, dass sich die Insel durch die vielen Touristen selbst zerstört. Ein großes Problem sind die jungen Balinesen, die anstatt weiterhin die Reisfelder zu bewirtschaften in den Tourismus abwandern. Da fragt man sich, wer denn die Schönheit der Landschaft bewahren wird, die diese Insel einst so anziehend gemacht hat.




Donnerstag, 8. Mai 2014

Einmal Rotbarsch mit Plastik, bitte!

Aus gegebenen Anlass möchte ich einen kurzen Artikel über die Umweltverschmutzung durch Plastikmüll schreiben.

Aktuell zeigt eine neue Studie wie weit unser Müll uns schon voraus ist. Die Meeresbiologin Melanie Bergmann vom Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven untersuchte mit einer Forschergruppe die europäische Tiefsee, was den Nordostatlantik, den arktischen Ozean und das Mittelmeer umfasst. Die durch Tauchexpedition und Schleppnetze ans Tageslicht gebrachten Ergebnisse sind erschreckend. Sogar auf 2500 Meter Tiefe, einem vom Menschen noch unerschlossenem Gebiet, ist unser Abfall schon vorgedrungen. Dies bestätigt schon frühere Studien Bergmanns von 2012. Verglichen mit Fotos aus dem Jahr 2002 erhöhte sich die Anzahl der Müllteile von 3635 auf 7710 pro km². Die Mehrheit dabei war Plastik. (SieheAbstract der Studie)

Aal von Plastikschnur erdrosselt
Neben den großen Plastiktüten, Windeln, etc. die sich an den Korallen verfangen und diese absterben lassen, sind vor allem die kleinen Mikroteile besorgniserregend. Fische nehmen sie mit ihrer Nahrung auf, die Giftstoffe werden in ihren Fettzellen gespeichert und dann von uns Menschen wieder gegessen. Warum wollen wir uns also selbst vergiften?

Plastik ist zu einem sehr komfortablen Lebensbegleiter für uns Menschen geworden. Alles geht schneller, leichter und einfacher. Die Hygienevorschriften in vielen Ländern schreiben dem Lebensmitteleinzelhandel sogar Plastik vor. Ein Leben ohne Plastik – in unser heutigen Gesellschaft kaum noch vorstellbar. Und bald können wir es sogar noch essen!

Schockierend dabei ist, dass sich die oben erwähnte Studie nur auf den europäischen Raum begrenzt, in dem ja schon Einiges gegen Umweltverschmutzung getan wird.
Nachdem wir nun zwei Monate auf den Philippinen und in Bali waren, kommt da schnell die Frage auf: Wie sieht es dann erst hier in Asien aus?

Typischer Laden auf den Philippinen
Plastik ist hier noch präsenter als in Europa. So ziemlich alle Güter sind mindestens einmal in Plastik eingepackt und mit so wenig Inhalt wie möglich versehen. So dass jeder Laden zum Beispiel Shampoo in kleinen einzelnen Verpackungen verkauft, die in Europa als Proben rausgegeben werden.
Von Mülltrennung ganz zu schweigen, muss man auch lange suchen, um überhaupt einen Mülleimer zu finden. Wie der Müll also entsorgt wird? - Nettes Beispiel von einem unserer Busfahrer, dessen Plastikwasserflasche leer war: Fenster auf, Flasche fallen lassen, gut ist. Daher sind hier die wunderschönen Strände, Wälder und Flüsse häufig von diesen künstlich bunten Flecken bespickt. 

 Wird der Müll nicht einfach haufenweise am Straßenrand die Böschung runter gekippt, ist das Verbrennen auch sehr beliebt. Sicherlich ist dieses Verhalten nicht mutwillig, sondern das Wissen über die Schäden einfach nicht vorhanden.

Sobald man einmal tauchen war und die faszinierende Unterwasserwelt betrachten durfte, versteht man womöglich besser, weshalb Müll auch vom Meer ferngehalten werden sollte. An Balis Stränden allerdings sollte jedem die Notwendigkeit anders mit Plastik umzugehen klar werden; beim Schwimmen in Amed mussten wir den ganzen Müll schon fast mit den Armen weg schaufeln und danach mindestens drei Mal duschen, um uns wieder sauber zu fühlen. Und der Ort soll kein Einzelfall sein.

Schon ganz unbewusst schmeißen wir jeden Tag Massen von Plastik weg, jede Plastikflasche nur ein kurzer, schnell vergessener Wegbegleiter unseres langen Lebens. Doch in den 450 Jahren in denen eine Plastikflasche über die Erde fliegt, im Müllhaufen liegt oder im Meer schwimmt bis sie sich auflöst, wirkt die Zeit ihrer Benutzung durch den Menschen nur noch wie ein kurzes schnelles Ereignis in IHREM Leben.

Kuta Beach, Bali








Dienstag, 6. Mai 2014

Herzliches Willkommen auf Bali

Über sieben Wochen sind wir durch die Philippinen gereist, ohne uns auch nur einen Moment nicht sicher unter den Landsleuten gefühlt zu haben oder auch nur annehmen mussten, dass uns jemand etwas Schlechtes will - Keine drei Tage auf Bali und sofort ausgeraubt und von der Polizei abgezogen.

Fast wie auf einer einsamen Insel
Zuerst einmal möchte ich diesen merkwürdigen Ort namens Kuta beschreiben, von dem uns eh schon alle abgeraten haben, aber einer der anziehenstens Orte auf Bali sein soll: Der breite Strand zieht sich endlos an Balis Südost-Küste entlang. Nur fällt einem das gar nicht auf, weil wenn man nach rechts und links guckt, keinen Sand, sondern nur noch schwarze Menschenmassen sieht. Am Rande des Sandes zieht sich ein schmaler Streifen mit Palmen entlang, der durch eine hohe Mauer von der chaotischen Straße abgetrennt ist. Kann man den Straßenstress ignorieren, könnte man sich ja unter die Palmen legen und den Strand genießen. Könnte man, wären dort nicht die Surfboardverleiher, Armband-, Bilder-, Pfeil- und Bogen-, alles-was-kein-Mensch-braucht - Verkäufer. Um nicht in der prallen Sonne laufen zu müssen, muss man sich ein Getränk kaufen, um auf einem super bequemen Plastikstuhl im Schatten sitzen zu dürfen. Positiv anzumerken sind die Wellen, die wirklich Spaß bringen zu surfen. Vor allem ist draußen aufm Wasser der einzige ruhige Fleck in Kuta. Also auch wer nicht surfen kann oder will, der Sonnenuntergang ist am enspanntesten aufm Bord liegend zu genießen.

Neben dem verrückten Verkehr auf den Hauptstraßen, besteht Kuta aus einem Labyrinth von Nebenstraßen und Gassen, die maximal zwei Meter breit sind. An den Seiten reihen sich tausende von Souvenirläden aneinander, die im Grunde alle dasselbe verkaufen. Flaniert man also zwischen den anderen Touristen, Motorrad ausweichend diese Gassen entlang, wird man am laufenden Band von der Seite angequatscht: „Wanna buy souvenir?!“, „Darling, wanna buy something?!“, „Take a look, come inside!“. Wenn man dann vorbei geht oder nur kurz guckt, aber nichts kauft, wird einem ganz gerne auf indonesisch hinterher gemeckert. So mag man als potentieller Kunde doch gern behandelt werden!

Kutas Hauptstraße
Aber den Ort so richtig angefangen zu lieben haben wir erst nachts: Auf dem Weg vom Club zum Hotel zu einer wirklich noch akkuraten Stunde von 12:30 reißt ein vorbeifahrender Rollerfahrer Anne ihre Tasche vom Leib. Ganz professionell hing nur noch der Riemen über ihrer Schulter. Irres Hinterherschreien und -rennen veranlasste niemanden der wenigen herumstehenden eben beschriebenen Ladenbesitzer der kleinen Gasse dazu uns zu helfen, womöglich in dem Wissen selbst ihren Teil von dem Diebstahl abzubekommen. Also adé Geld, Kreditkarte und Handy! Nachdem wir dann noch vollkommen unter Schock stehend die Kreditkarte gesperrt haben, wollten wir den Diebstahl der Polizei melden. Der Anruf bei der örtlichen Polizeistation lief in etwa folgendermaßen ab:

„Police Kuta.“
„Hello, I just got robbed, lost my creditcard and everything and wanna report it to the police.“
„I don't speak english!“
Peep, peep, peep,...

Danke für die Hilfe, hat mich sehr gefreut mit Ihnen zu sprechen!

Also ging's mit Pfefferspray bewaffnet runter zum Strand, wo wir neben dem kleinen Polizei Outpost einen schlafenden Polizisten in seinem Auto vorfanden. Ein kräftiger genervter Schlag auf die Motorhaube ließ ihn hochfahren.
Ja, um einen Diebstahl zu melden, müssten wir zur richtigen Polizei Station in Kuta, mit denen ich ja schon ein nettes Telefonat geführt habe. Ob er uns da hinfahren könnte – „No, the engine is not working“
Wollen sie uns etwa alle veräppeln?!

Nach langer Diskussion erreichten wir die Polizeistation auf zwei Motorrädern, von denen eines gar nicht zur Polizei gehörte, sondern irgendeinem Mann, die definitiv hilfreicheste Person der Nacht!
Nachdem wir auf der Station alle Polizisten nicht gerade sanft aus ihrem Nickerchen geholt haben, konnten wir tatsächlich einen Report machen. Beim dritten Ausdruck hatte der Polizist, der die ganze Zeit vom Schreck, dass er so plötzlich arbeiten muss, Schluckauf hatte, Annes Namen endlich richtig geschrieben. Ihm diesen so schwierigen Namen in großen Druckbuchstaben vorzuschreiben hat da auch nichts gebracht.
Immerhin haben wir jetzt einen DinA4 Zettel als Andenken an diese hervorragende Nacht.

Einen Tag später, nachdem wir uns wieder beruhigt hatten und Anne sich ein neues Handy gekauft hat, wollten wir dann doch nochmal kurz in den Süden fahren zu einem großem Tempel „Uluwatu“, bevor wir Kuta für immer den Rücken kehren werden. Roller gemietet, Helme auf und durch den kranken Verkehr gekämpft. Nur genau eine große Straße führt zu dieser Touristenattraktion. Wie viele andere waren wir gegen fünf Uhr auf dem Heimweg bevor es dunkel wird. Da stehen tatsächlich Polizisten an der Straße und führen eine Verkehrskontrolle durch. Etwas was wir bisher noch nicht gesehen haben, da es sogar kaum Verkehrsschilder gibt und alle eh beknackt fahren. Und natürlich war etwas faul an dieser Kontrolle. GANZ unauffällig wurden nur Touristen, die man hier ja ziemlich gut an ihrer Hautfarbe erkennen kann, angehalten.

„Drivers License!“

Tja, da wurde uns schlagartig bewusst, dass wir nur unsere deutschen mit haben, nicht die internationalen. Also die Deutsche hingehalten.

„International driver's license!“ - Ja, sorry, nicht dabei.
„Where are you from?“
„Germany“
„Go over there!“

1 Million Rupiah Strafe

Da ging's aber los: bestimmt zehn-minütige Diskussion über das Rechtssystem in anderen Ländern gehabt, wie wir unsere Internationalen ja auch in Kuta bei der Polizei vorzeigen könnten (mit denen wir ja auch schon best buddies sind) und der deutsche Führerschein viel mehr wert ist etc. bis wir unsere Strafe auf 300.000 runtergehandelt hatten. Allein diese Tatsache ist unfassbar und zeigt wie korrupt das System ist. Als Anne dann anfing, dass wir schon ausgeraubt wurden und Bali jetzt wirklich so schnell wie möglich verlassen werden, steckte der Polizist mir ganz heimlich einen der 100.000 Rupiah Scheine wieder in die Hand ohne dass sein Kollege es mitkriegt.
Tja, damit hat er also nur noch ca. 12 € Taschengeld gemacht.

Als wir dachten jetzt kann es nicht mehr schlimmer kommen, kroch wieder irgendein Polizist aus seinem dunklen Loch, wo er nur so auf Touristen wartet, und holt uns von der Straße, weil wir an einer roten Ampel einen Meter zu weit vorne angehalten haben.

Nur so zum Vergleich: Auf dem Weg zum Club wurden uns von allen Seiten Drogen angeboten, wodrauf hier die Todesstrafe steht. Aber wenn ein Tourist auch nur einen Fuß falsch auf diese Insel setzt – Strafgeld!

Der gute Mann ließ uns mit einer Warnung abziehen und wir haben uns geschworen nie wieder selbst am balinesischen Straßenverkehr teilzunehmen, besonders nachdem wir hörten, dass das viele Touristen erleben und für irgendeinen Mist angehalten und bestraft werden.

Allerherzlichsten Dank Bali, wir freuen uns auch hier zu sein

Sonntag, 27. April 2014

It's More Fun in the Philippines!

Gestern waren auf einmal unsere 50 traumhaften Tage auf den Philippinen zu Ende. Unser Fazit lässt sich auch ganz gut durch dieses Promotion-Video beschreiben.

 

Danke an dieses unbeschreibliche Land und die wunderbaren Menschen, denen wir begegnet sind!

Samstag, 26. April 2014

Holy week – Ostern auf den Philippinen

Obwohl ich mich nicht als religiös bezeichnen würde, interessiere ich mich definitiv für Religion, vor allem, wenn sie für die Leute in einem Land eine so wichtige Bedeutung hat, wie der Katholizismus für die Filipinos.

Ostern ist hier daher nicht gleich Ostern. Wozu nur das Wochenende feiern, wenn man auch gleich eine ganze heilige Woche veranstalten kann. So wurde die Holy Week schon seit einiger Zeit in allen Orten auf Plakaten angekündigt. Es findet mindestens ein Gottesdienst jeden Tag statt und ab Mittwoch war offiziell Feiertag und die Filipinos fahren traditionell zu ihren Familien in die Dörfer.

Wir haben uns bis Samstag noch in Port Barton aufgehalten, welches ein so kleiner Ort ist, dass er nicht mal in Google Maps auftaucht. Daher haben wir viel von der Holy Week mitbekommen und sind dann am Karfreitag auch in die Kirche gegangen. Sogar in der Kirche hängen überall Fans und sie hat zu den Seiten große offenen Türen, trotzdem stand die Luft und wir haben in unseren sittsamen langen Hosen und T-Shirts ordentlich geschwitzt. Der Gottesdienst, der sich zu einem kleinen Gottesdienst-Marathon von nur drei Stunden entwickeln sollte, began mit bunten Kutten, einem Priester, der flach auf dem Boden lag und einem sehr religiösen Hund, der sich direkt neben den Priester gelegt hat.

Andauernd kamen Leute zu spät und setzten sich noch hin. Innerhalb der ersten Stunde füllten sich die Bänke bestimmt noch um ein Vierfaches. Hühner spazierten auch mal am Altar entlang und Hunde verrichtetet ihre Notdurft in der heiligen Halle. Obwohl die Filipinos einen starken Glauben haben, wirkte die Ausübung doch sehr locker und offen, nicht streng nach irgendwelchen Plänen.

Mit einem weiteren, dänischem Backpacker sind wir drei natürlich nicht unentdeckt geblieben und eine Frau kam zu uns in die Bank gerutscht mit einer englischen Bibel und zeigte uns die Texte, die vorgesprochen wurden.


Als Höhepunkt des Gottesdienstes zu Ehren Jesus Kreuzigung gab es eine Prozession einmal durchs Dorf, was in diesem Fall nur zwei Straßen waren. Besonders dabei war, dass die Prozession von einer lebensgroßen Jesus-Puppe in einem gläsernen Sarg angeführt wurde. In meinen Augen gruselig war vor allem die zweite Puppe, die aufrecht stehend, in ein langes dunkles Gewand gehüllt, Maria darstellt. Ihre langen Haare fielen ihr über den Rücken und ihre Hände waren vor der Brust gefaltet. Allerdings konnte man ihr Gesicht nicht sehen, da nach spanischer Tradition ein schwarzer spitzer Hut mit einem Kreuz vorne ihren Kopf versteckte als ein Zeichen der Trauer. So liefen wir meditativ mit der Menschenmasse über Sandwege, den Pfützen ausweichend. Die Filipinos hatten Kerzen in den Händen und sprachen Gebete im Chor.

Die Frau mit der englischen Bibel erzählte mir von einer philippinischen Tradition zu Karfreitag, von der wir schon gehört hatten und es nicht glauben wollten. Auf der Insel Luzon und an einem Ort auf Palawan, San Fernando, wird die Kreuzigung Jesus nachgestellt. Freiwillige tragen ihr Kreuz eigenhändig auf den Berg, so wie Jesus es getan hat, und werden dann ans Kreuz genagelt. Ich musste fünf Mal nachfragen bis ich sicher war es richtig verstanden zu haben: Den Leuten werden circa vier Zentimeter lange Nägel in die Hände gerammt und so etwa zehn Minuten am Kreuz hängen gelassen. Niemand kommt dabei ums Leben, aber viele ältere Leute nutzen die Gelegenheit als eine Art Aufopferung für z.B. kranke Familienmitglieder.
In Port Barton wurde das nicht gemacht, aber in allen Orten werden am Ostersonntag um vier Uhr morgens die Ereignisse des Morgens auch nachgespielt. Holy Week ist neben Weihnachten der wichtigste Feiertag auf den Philippinen, bzw. die wichtigste Feierwoche.

Bahala na - die Philippinen nach dem Taifun Yolanda

Die Filipinos haben eine philosophische Phrase „bahala na“, die besagt, dass das Schicksal kommt wie es kommt und dass man zwischendurch weiterlebt, da alles von Gott gegeben ist. Zwar haben wir diese Worte noch keinen Filipino genau sagen hören, aber es beschreibt ihre optimistische Lebenseinstellung in allem etwas Gutes zu sehen. 

Genau diese inspirierende Art zu Leben wurde am 7ten November 2013 durch den Taifun Yolanda gewaltsam auf die Probe gestellt und trotzdem nur noch mehr verstärkt. Mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 315 km/h traf Yolanda zuerst auf die am östlichsten gelegene Insel Leyte, zog weiter über die zentrale Inselgruppe Visayas und hier direkt über Malapascua Island und Bantayan Island, bevor er nördlich von Palawan Richtung China abzog. Zurück ließ er ein Feld der Verwüstung: Fähren, die mitten in der Stadt stehen, obdachlose Familien und über 6000 Menschen, die ihr Leben verloren. 

Da die deutschen Medien uns glauben gelassen haben, dass die betroffenen Regionen sehr gefährlich seien für Touristen, haben wir unsere Route dementsprechend geplant. Die Philippinen sind ein sehr großes Land und es besteht gar kein Grund das ganze Land zu meiden, nur weil ein relativ kleiner Teil Schaden genommen hat. Besonders jetzt sind die Philippinen auf die Wirtschaft durch den Tourismus angewiesen, um auch die zerstörten Regionen wieder aufzubauen und jede dieser 7000 Inseln ist auf ihre Weise traumhaft und besonders! 

Nachdem wir nun also schon einen Monat in diesem Land unterwegs sind, die freundlichsten Menschen getroffen, die wunderschönsten Strände gesehen haben, gab es nie eine Situation in der wir uns unwohl oder nicht sicher gefühlt haben, naja... die Fährfahrt nach Bohol muss da wohl doch ausgeschlossen werden. Da wir von anderen Backpackern gehört haben, die auf den Inseln Bantayan und Malapascua waren, entschlossen wir uns relativ spontan doch hinzufahren und steuerten zuerst Bantayan Island an. 

Wir haben uns zwar schon darauf eingestellt, dass das ehemalige Inselparadies nicht mehr so viele Palmen besitzen wird wie auf den Google Bildern, waren dann aber doch recht geschockt als wir hungrig und erschöpft auf der Insel ankamen. Viele Hütten sind entweder ganz kaputt oder mindestens das Dach fehlt, so dass die Familien in weißen Zelten von den Hilfsorganisationen schlafen, von denen die ganze Insel gesäumt ist. Die Hotels und Restaurants, die häufig von Ausländern betrieben werden, sind alle sehr schnell wieder aufgebaut worden, so dass wir uns als Touristen sehr angenehm bewegen konnten und womöglich das Chaos hätten verdrängen könnten, wenn man auf dem Weg zum Essen nicht nach rechts und links gucken würde. Da wir aber gerade das sehr gerne tun, fühlten wir uns etwas nutzlos, nachdem wir einen Tag den weißen Strand, das türkis-blaue Meer und die knallheiße Sonne genossen haben. Deshalb haben wir uns umgehört und eine Hilfsorganisation gefunden, bei der wir willkommen waren ein paar Tage mit anzupacken. 

YPDR, Young Pioneer Disaster Response, ist erst mit dem Taifun entstanden und wird vor allem von jungen Leuten unterstützt. Als die Ersten nach dem Taifun auf die Insel kamen, wollten die Filipinos kein Essen, da sie mehr als sie jemals essen könnten von den großen NGOs bekommen und eigentlich selbst genügend Reisfelder haben. Was sie brauchten war ein Dach über dem Kopf und Arbeit für die Männer, da diese nichts mit sich anzufangen wussten. Seitdem hat YPDR über 600 Hütten gebaut, Schulen repariert und etlichen Filipinos einen Job gegeben, sie ausgebildet selbst Hütten bauen und reparieren zu können, damit diese auch die mit Sicherheit kommenden nächsten Taifune überstehen werden. 


Eines der neuen Häuser

 Auch wenn es nach viel klingen mag und es definitiv eine erstaunlich Leistung ist, gibt es immer noch sehr viel mehr zu tun und Familien ohne Haus. Die Nachbarschaft Baais in Sungko, in der YPDR mit seiner Arbeit angefangen hat, ist zu 95 % wieder aufgebaut mit fast 200 neuen Hütten. Daran kann man ausmachen, dass 600 Hütten bei einer so kinderreichen Bevölkerung noch nicht annähernd ausreichend sind. 

Nachdem wir den ersten Tag eine neu gebaute Hütte gestrichen haben, sind wir am zweiten Tag in genau diese Nachbarschaft gefahren, um von den neuen Hütten Koordinaten für eine Karte zu nehmen, damit YPDR seine Arbeit evaluieren kann. Diese stupide Arbeit in der prallen Mittagssonne, ohne Schatten, da fast keine Bäume mehr stehen, klingt womöglich nach der reinsten Qual, war aber ganz im Gegenteil ein wundervolles Erlebnis. 

Ganz vorne Ricky und Anne, gefolgt von der Kinderschar
Ricky, ein Einheimischer, der in dieser Nachbarschaft aufgewachsen ist, hat uns zu den Häusern geführt. Wir waren die ganze Zeit von einer Traube lachender Kinder umgeben, wurden freundlich von den Frauen empfangen, die vor ihren Hütten Krebse pulten oder in großen Bottichen Wäsche wuschen. Die Menschen mögen nicht viel Materielles besitzen, was sie aber haben, sind ihre großen Familien und die starke Gemeinschaft untereinander. Sie scheinen ihr Leben mit einer gewissen Einfachheit und Leichtigkeit zu leben und ihr Fröhlichkeit ist einfach ansteckend! 


Da wir nicht mit unser großen teuren Kamera das bescheidene eher arme Leben der Menschen fotografieren wollen, habe ich ab und zu ein Foto mit meinem Handy gemacht. Als wir uns mit dem anderen Team wieder getroffen haben, um jeder einen halben Liter Cola wegzukippen, weil dich nur Zucker in dieser Hitze überleben lässt, hat die Kinderschar meine Handykamera entdeckt und sie wussten gar nicht was cooler war: selbst Fotos zu schießen oder fotografiert zu werden und danach so nah wie möglich an ihre Gesichter heranzuzoomen. Es war sehr lustig und einige tolle Bilder sind entstanden. 


Als wir am Ende ziemlich geschafft darauf gewartet haben abgeholt zu werden, wurden wir sogar noch ganz selbstverständlich von Rickys Mutter und Schwester mit kaltem Wasser, Crackern und selbstgemachten Popcorn versorgt, obwohl sie selbst so wenig besitzen. Es war ein wirklich sehr schönes und interessantes Erlebnis. 

Die Menschen auf Bantayan sind sehr inspirierend und beeindruckend, wie sie mit ihrem Schicksal umgehen und ihr Leben leben wie es kommt. Immer mit einem Lachen im Gesicht scheint diese Leute nichts erschüttern zu können, solange sie sich gegenseitig haben. Bahala na! 

Alles in allem haben wir uns total in die Insel, die Menschen, die Atmosphäre auf Bantayan verliebt und können mit gutem Gewissen jedem raten auch diese Gebiete wieder zu besuchen, ob als Tourist, Backpacker oder Volunteer. Jeder ist hier willkommen und wird auf seine Weise gebraucht. 

Dieser Bericht beschränkt sich natürlich nur auf die Region Nord-Cebu mit den Inseln Bantayan und Malapascua. Über die Lage auf Leyte und Samar können wir nichts sagen. Aber wie gesagt, die Philippinen sind riesig und wunderschön und definitiv eine Reise wert!

Samstag, 12. April 2014

Auf Kuschelkurs mit Walhaien

Da uns Riesenschildkröten irgendwann zu klein wurden, sind wir nach Oslob auf Cebu gefahren. Ein kleiner Ort, der nur eine nicht ganz so klitzekleine Besonderheit hat: Walhaie. 

Und das reicht um täglich eine Invasion von Tagesausflugstouris anzuziehen. Um dieses Problem zu umgehen, sind wir früh in Bohol aufgebrochen, so dass wir abends in Oslob waren, ein günstiges Zimmer für eine Nacht gefunden haben und kein Auge zu bekommen haben - leider nicht der Aufregung, sondern mehr dem Gefühl direkt auf einer Autobahn zu schlafen geschuldet. Diesen ganzen Aufwand haben wir nur betrieben, um dann um 6 Uhr morgens mit dem ersten Boot noch ohne alle Touris raus zufahren und unser Plan ist hervorragend aufgegangen! 

Mit Schnorchel ausgestattet und klopfenden Herzen sind wir mutig von Bord gehüpft und schwammen auf einmal mit vier Walhaien, der größte 14 Meter lang. Allein die Schwanzflosse, die wie bei einem Hai aufrecht steht, war schon größer als wir. Trotz ihres überwiegend walartigen Aussehens, sind sie keine Säugetiere und daher die größten Fische der Welt. Obwohl die Bezeichnung Hai ein wenig einschüchtert, lagen sie ganz ruhig im Wasser und sogen genüsslich das Fressen der Bootsmänner ein.

Allerdings hatten die Filipinos sehr viel Spaß daran das Fressen direkt auf unsere Köpfe zu werfen, so dass wir teilweise von drei Walhaien eingekreist waren und uns schon im Magen dieser Riesen gesehen haben. Die Anweisungen, dass wir vier Meter Abstand halten und die Wale nicht berühren sollen, waren ja gut und schön, nur sollten die das auch mal den Walhaien beibringen, die nämlich gar kein Problem damit hatten, dass wir teilweise quasi auf ihnen saßen. 


30 aufregende Minuten lang schwammen wir zusammen mit diesen wundervollen Riesen, die uns ,nur durch das Futter angelockt, freiwillig in ihrem natürlichem Lebensraum ihre gewaltige Schönheit und sanfte Art präsentiert haben. 

Wir bekommen immer noch Gänsehaut, wenn wir daran zurück denken!

Freitag, 4. April 2014

Open Water auf Bohol

Die Fährfahrt nach Bohol hat einfach mal ganze vier Stunden gedauert. Auf Grund unserer bisherigen Erfahrungen waren wir schon mal ganz froh, dass die Fähre richtige Glasfenster hatte, aber trotzdem fanden fast alle Insassen die Fahrt und vor allem den schlechten Aktionfilm auf Kinolautstärke irgendwann zum Kotzen. Wenn die Einheimischen schon über den Tüten hingen, kann man sich vorstellen wie es uns ging. 

Nachdem wir im Dunkeln am Alona Beach dann eine Unterkunft gefunden haben, die besonders für Taucher günstige Zimmer direkt am Wasser anbietet, habe ich in diesem Zustand direkt mal zugestimmt meinen Open Water Tauchschein zu machen. Gesagt, getan – noch vorm Frühstück hatte ich einen Tauchlehrer und Anne einen Tauchguide für ihren ersten Tauchgang nach längerer Zeit und keine Stunde später waren wir auch schon im Wasser. 

 
Kurze Einführung in die Basiczeichen unter Wasser und rauf aufs Boot und ne kleine Runde Schnuppertauchen, um zu gucken, ob ich fähig bin, das überhaupt alles hinzukriegen. Wieder an Land war ich total begeistert von der Unterwasserwelt, natürlich noch vollkommen zugedröhnt vom Reststickstoff in meinem Körper. In der großzügig berechneten Pause von einer Stunde, musste ich mir gefühlt das halbe Buch für den theoretischen Teil des Scheins reinziehen, um dann direkt wieder ins Wasser zu springen. 

Das Üben der Notfälle unter Wasser holte mich dann aber wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, dass Tauchen neben Spaß auch Ernst sein kann, vor allem als ich eine kleine Panikattacke geschoben hab, als ich meine Maske abnehmen musste. 

Der zweite Tag auf dem Weg zum Open Water Diver war gleich wieder mit zwei Tauchgängen gefüllt, in denen wir auch mein am Vortag unter Wasser verlorenes Armband an einer Koralle hängend wiedergefunden haben. Den Theorietest hab ich dann mal eben bei einer Cola mit meinem Tauchlehrer bestanden, der als tolles Vorbild, gegensätzlich allem, was ich den letzten Tagen gelernt habe, ein Bier nach dem Tauchgang genoss. 

Mit einem Spaßtauchgang ohne lästige Übungen am dritten Morgen hab ich dann mein Open Water Zertifikat abgeschlossen und bin jetzt eine echte Taucherin, zwar noch ein Baby, aber bis zu 18 Meter Tiefe kann ich jetzt die Fische nerven :) 

Während ich mich unter Wasser noch mit Handzeichen lernen, kleinen Fischen und Korallen abfinden musste, war Anne an einem weltbekannten Reef bei Balicasag Island mit riesigen Schildkröten tauchen.  
So haben wir genau das gemacht wofür dieser Strand zu existieren scheint und sind erfolgreich vor den Touristen unter Wasser geflüchtet.

Sonntag, 30. März 2014

Zwischen Moral und Tradition

Da wir also wie bereits angekündigt einen Hahnenkampf besucht haben, hier ein kleiner Bericht über diese für uns sehr eigenartige, fast schon schreckliche Tradition der Filipinos.

Ein unscheinbarer Weg hinter der Stadt Siquijor auf der gleichnamigen Insel führt zu einer kleinen Arena. Der kreisförmige Kampfplatz ist durch eine Glasscheibe von der Zuschauertribüne abgetrennt. So weit wir die Erklärungen der Einheimischen verstanden haben und von dem, was wir gesehen haben, funktioniert ein Hahnenkampf folgendermaßen: Zuerst finden sich die Männer in einem kleinen Pulk vor der Arena zusammen und begutachten die Hähne, die von den Besitzern von allen Seiten präsentiert werden. Danach wird den Tieren eine Klinge an den Fuss gebunden und zwei in die Arena getragen, wo sie angestachelt werden, indem man sie Kopf an Kopf hält und sie sich gegenseitig zwicken. Hähne haben den natürlichen Instinkt ihr Territorium zu verteidigen, nur werden sie in diesem Kampf daran gehindert aufzugeben und das Gebiet des anderen zu verlassen.

Dann ganz plötzlich geht die eigentliche Aktion los. Aber nicht in der Arena, sondern auf der Tribüne. Die Männer – Frauen sucht man hier vergeblich – springen auf, strecken einen Arm nach oben, halten sich gegenseitig ihre Finger vor die Gesichter und rufen die Seite des Hahns genauso häufig, wie viele Finger sie ausstrecken, um zu zeigen wie viele hundert Peso sie wetten wollen.

Sobald die Männer wieder still geworden sind, werden die Hähne auf den Boden gesetzt, wo sie sich gegenseitig attackieren, aufeinanderspringen und zu einem Ball aus Federn werden bis einer am Boden liegt. Der Schiedsrichter greift beide beim Nacken, hebt sie hoch, setzt sie wieder auf die Füße, von wo aus sie weiter kämpfen könnten, allerdings brechen dem einem hier schon die Beine weg, er wird fallen gelassen und bleibt tot am Boden liegen. Die Männer auf der Tribüne fangen an herumzuwuseln und sich gegenseitig Geld zuzustecken.

Nach zwei von diesen Durchgängen waren wir bedient und haben uns aus dem Staub gemacht. Die Tradition der Hahnenkämpfe ist in den Philippinen seit Jahrhunderten verankert, niemand konnte mir mehr ihren Ursprung oder Grund nennen. Sie finden in Siquijor jedes Wochenende und bei jeder Feierlichkeit statt.
Für uns war es ziemlich schockierend, für die Filipinos gehört es allerdings zum Alltag die Tiere zu schlachten, die sie essen wollen. So bekommt der Gewinner auch den getöteten Hahn nach dem Kampf zum Essen. 

Ich kann gut nachvollziehen, dass die Filipinos eine andere Haltung Tieren gegenüber haben, gerade weil sie ihr Fleisch nicht aus einer Plastikverpackung aus dem Supermarkt kaufen; sie haben beim Hahnenkampf vor allem Spaß am Wetten, aber trotzdem finde ich es eine grausame Art ein Tier zu töten.

Weiße Magie auf Siquijor Island

Früher nannten die Spanier Siquijor die Insel des Feuers, weshalb sich heute noch viele Filipinos von hier fernhalten. Auf Grund der vielen einheimischen Heiler, gilt die Insel quasi als verhext mit wundersamen Kräften. Um dem verwunschenen Ruf entgegen zu arbeiten, spricht die Regierung von einer weißen Magie und auch wir konnten diese erleben! 

Damit wir unabhängig die Gegend erkunden konnten, haben wir uns einen Roller gemietet, der uns innerhalb eines halben Tages sicher einmal um die Insel gebracht hat, durch viele kleine Dörfer, vorbei an saftig grünen Reisterrassen, Bananenbäumen und vielen fröhlichen Gesichtern. 

 
Friedhof










Da wir von einem Hahnenkampf gehört und uns entschieden haben, dass man auch kontroverse Aspekte einer Kultur kennen lernen sollte, sind wir auf die Suche gegangen und fündig geworden. Da dieser Tradition der Philippinen mehr Platz gebührt, beschreibe ich die Erfahrung in einem eigenen Post

Nach diesem kulturellen Erlebnis des Hahnenkampfs, haben wir noch einen super schönen Wasserfall gefunden, an dem wir ganz allein ein wenig herumplanschen und die herrliche Natur genießen konnten. Diese hat uns noch weiter verwöhnt und den Strand, an dem unser Hostel lag, durch das untergehende Tageslicht in einen Himmel auf Erden verwandelt und uns in die weiße Magie der Insel eingehüllt.




Auch den zweiten Tag haben wir auf dem Roller verbracht, den wir auch einfach hätten mitnehmen können, weil wir ihn weder vorher bezahlt, noch irgendetwas hinterlegt haben. Die Gelassenheit der Filipinos halt. 
An dem Tag sind wir in das Innere der Insel gefahren, rauf auf den Berg. In dem kleinen Ort Cantabon haben wir uns in die Unterwelt der Insel gewagt, in die Cantabon Caves. Zwei Stunden klettern im Dunkeln, teilweise bei hüfthohem Wasser und so engen Abschnitten, dass wir vornübergebeugt gerade so unser Gesicht über der Wasseroberfläche halten konnten. Ziemlich spannend, anstrengend und nass. 

Da man sich hier ja aber auf Wärme verlassen kann, sind wir wir weiter auf den Gipfel des Berges in nassen Hosen und Schuhen vorgedrungen, wo ein Turm eine tolle Aussicht versprechen sollte, die zu diesem Zeitpunkt allerdings in Nebel gehüllt war, was uns vielleicht warnen sollte ihn nicht zu betreten. Auf halben Weg die Stufen hinauf, höre ich hinter mir Anne schreien, als würde sie hinunter stürzen. Als ich mich umdrehte, steckte sie glücklicherweise nur mit einem Bein in einem Loch in dem Gerüst, wo eine der Metallstangen fehlte, aus denen die Stufen gemacht sind. Ein, nachdem der Schock nachließ, lustiges Bild abgebend, hing sie über den Stufen, stolz die teure Kamera hochhaltend, die sie reflexartig vor dem Zusammenschlag mit dem Metall gerettet hat. Nachdem Annes Knie schon am Vortag schmerzlichen Kontakt mit dem Boden hatte, gesellten sich jetzt weitere Schürfwunden und riesige blaue Flecke hinzu. Aber hey, Narben können tolle Geschichten erzählen.

Zur Abwechslung führte uns unser Weg als nächstes zu einem der friedlichsten Orte auf der Insel mit Lebewesen, die niemanden etwas zu Leide tun können, dem Butterfly Sanctury, wo wir viele schöne Schmetterlinge in jedem Lebensabschnitt bestaunt haben.


Zum Abschluss des ereignisreichen Tages sind wir zu einem größerem Wasserfall gefahren, wo wir uns mit einem gewagten Sprung am Wasserfall herunter genüsslich die Sandschicht von der Rollerfahrt abwaschen und ein wenig Tarzan spielen konnten. 


Die Abende auf Siquijor haben wir mit ein paar anderen Backpackern aus aller Welt am Strand ausklingen lassen, wo das Feuer der magischen Insel in Form von Glühwürmchen zwischen den Palmblättern und atemberaubenden Sonnenuntergängen hinter dem Vulkan auf Negros sichtbar wurde.