Obwohl ich mich nicht als religiös
bezeichnen würde, interessiere ich mich definitiv für Religion, vor
allem, wenn sie für die Leute in einem Land eine so wichtige
Bedeutung hat, wie der Katholizismus für die Filipinos.
Ostern ist hier daher nicht gleich
Ostern. Wozu nur das Wochenende feiern, wenn man auch gleich eine
ganze heilige Woche veranstalten kann. So wurde die Holy Week schon
seit einiger Zeit in allen Orten auf Plakaten angekündigt. Es findet
mindestens ein Gottesdienst jeden Tag statt und ab Mittwoch war
offiziell Feiertag und die Filipinos fahren traditionell zu ihren
Familien in die Dörfer.
Wir haben uns bis Samstag noch in Port
Barton aufgehalten, welches ein so kleiner Ort ist, dass er nicht mal
in Google Maps auftaucht. Daher haben wir viel von der Holy Week
mitbekommen und sind dann am Karfreitag auch in die Kirche gegangen.
Sogar in der Kirche hängen überall Fans und sie hat zu den Seiten
große offenen Türen, trotzdem stand die Luft und wir haben in
unseren sittsamen langen Hosen und T-Shirts ordentlich geschwitzt.
Der Gottesdienst, der sich zu einem kleinen Gottesdienst-Marathon von
nur drei Stunden entwickeln sollte, began mit bunten Kutten, einem
Priester, der flach auf dem Boden lag und einem sehr religiösen
Hund, der sich direkt neben den Priester gelegt hat.
Andauernd kamen Leute zu spät und
setzten sich noch hin. Innerhalb der ersten Stunde füllten sich die
Bänke bestimmt noch um ein Vierfaches. Hühner spazierten auch mal
am Altar entlang und Hunde verrichtetet ihre Notdurft in der heiligen
Halle. Obwohl die Filipinos einen starken Glauben haben, wirkte die
Ausübung doch sehr locker und offen, nicht streng nach irgendwelchen
Plänen.
Mit einem weiteren, dänischem
Backpacker sind wir drei natürlich nicht unentdeckt geblieben und
eine Frau kam zu uns in die Bank gerutscht mit einer englischen Bibel
und zeigte uns die Texte, die vorgesprochen wurden.
Als Höhepunkt des Gottesdienstes zu Ehren Jesus Kreuzigung gab es eine Prozession einmal durchs Dorf, was in diesem Fall nur zwei Straßen waren. Besonders dabei war, dass die Prozession von einer lebensgroßen Jesus-Puppe in einem gläsernen Sarg angeführt wurde. In meinen Augen gruselig war vor allem die zweite Puppe, die aufrecht stehend, in ein langes dunkles Gewand gehüllt, Maria darstellt. Ihre langen Haare fielen ihr über den Rücken und ihre Hände waren vor der Brust gefaltet. Allerdings konnte man ihr Gesicht nicht sehen, da nach spanischer Tradition ein schwarzer spitzer Hut mit einem Kreuz vorne ihren Kopf versteckte als ein Zeichen der Trauer. So liefen wir meditativ mit der Menschenmasse über Sandwege, den Pfützen ausweichend. Die Filipinos hatten Kerzen in den Händen und sprachen Gebete im Chor.
Die Frau mit der englischen Bibel
erzählte mir von einer philippinischen Tradition zu Karfreitag, von
der wir schon gehört hatten und es nicht glauben wollten. Auf der
Insel Luzon und an einem Ort auf Palawan, San Fernando, wird die
Kreuzigung Jesus nachgestellt. Freiwillige tragen ihr Kreuz
eigenhändig auf den Berg, so wie Jesus es getan hat, und werden dann
ans Kreuz genagelt. Ich musste fünf Mal nachfragen bis ich sicher
war es richtig verstanden zu haben: Den Leuten werden circa vier
Zentimeter lange Nägel in die Hände gerammt und so etwa zehn
Minuten am Kreuz hängen gelassen. Niemand kommt dabei ums Leben,
aber viele ältere Leute nutzen die Gelegenheit als eine Art
Aufopferung für z.B. kranke Familienmitglieder.
In Port Barton wurde das nicht gemacht,
aber in allen Orten werden am Ostersonntag um vier Uhr morgens die
Ereignisse des Morgens auch nachgespielt. Holy Week ist neben
Weihnachten der wichtigste Feiertag auf den Philippinen, bzw. die
wichtigste Feierwoche.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen